Mercedes-Benz greift die 35-Stunden-Woche an – Unsere Antwort: Den Klassenkampf von unten organisieren

Mercedes-Benz greift die 35-Stunden-Woche an – Unsere Antwort: Den Klassenkampf von unten organisieren

14/07/2026 Aus Von Klassenkampf Stammtisch

Rund 30.000 Beschäftigte beteiligten sich nach Angaben der IG Metall am 03. Juli an Kundgebungen vor den Mercedes-Benz-Werken in Untertürkheim, Mettingen und Sindelfingen. Anlass war die von der Konzernspitze angekündigte „Produktivitätsoffensive“ – ein Frontalangriff auf die 35-Stunden-Woche, tarifliche Errungenschaften und die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten.

Mit Sprechchören wie „Ola Ciao“ und „Ola raus“ sowie Plakaten wie „Vorstand verlagern – nicht unsere Arbeitsplätze“ machten viele deutlich, dass sie nicht bereit sind, für die Profitinteressen des Konzerns längere Arbeitszeiten und weitere Verschlechterungen hinzunehmen.

In den Redebeiträgen wurde immer wieder hervorgehoben, wer den Reichtum des Unternehmens tatsächlich schafft: die Beschäftigten – und nicht der Vorstand. Die Offensive von Mercedes-Benz steht dabei nicht isoliert, sondern ist Teil eines umfassenderen Angriffs der Kapitalseite auf Arbeitszeiten, Löhne und soziale Errungenschaften. Auch in der Automobilindustrie insgesamt werden die Angriffe verschärft: Bei Volkswagen steht der Abbau von rund 100.000 Stellen weltweit im Raum. Während Milliardenprofite und Dividenden gesichert werden sollen, werden von den Beschäftigten längere Arbeitszeiten und weitere Einschnitte verlangt. Wie ein Redner treffend formulierte: „Die Kuh kann nicht unendlich weiter gemolken werden.“

Diese Angriffe sind Teil einer breiteren Offensive von Kapital und Politik. Von Arbeitgeberverbänden bis zur Bundesregierung wird behauptet, Deutschland müsse „wieder mehr arbeiten“, die Zeiten des Wohlstands seien vorbei und alle müssten den Gürtel enger schnallen, um den Standort wettbewerbsfähig zu halten und damit es der Wirtschaft wieder besser gehe. Gleichzeitig werden Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt, während Sozialleistungen, soziale Errungenschaften und öffentliche Daseinsvorsorge zunehmend unter Beschuss geraten. Zahlen sollen am Ende diejenigen, die den gesellschaftlichen Reichtum überhaupt erst erarbeiten.

Auffällig bei den Kundgebungen war zugleich der Gegensatz zwischen der kämpferischen Stimmung vieler Kolleginnen und Kollegen und der Linie der Gewerkschafts- und Betriebsratsspitzen. Während aus den Reihen der Beschäftigten Entschlossenheit zu spüren war, den Angriffen Widerstand entgegenzusetzen, dominierten bei einigen Reden Appelle an „Verantwortung“, „respektvolle Sozialpartnerschaft“ und „gemeinsame Lösungen“ mit dem Vorstand. Doch wo das Kapital seine Offensive verschärft und historische Errungenschaften der Arbeiterbewegung angreift, stößt die Sozialpartnerschaft an ihre Grenzen. Kurzum: Die Interessen von Kapital und Arbeit lassen sich nicht versöhnen. Die Verteidigung der 35-Stunden-Woche wird deshalb nur gelingen, wenn die Beschäftigten ihren Widerstand selbst organisieren und ihre eigene Kampfkraft gegen die Profitinteressen des Konzerns entwickeln.

Die Antwort darauf kann deshalb nicht sein, auf Stellvertreter oder Sozialpartnerschaft zu vertrauen. Entscheidend ist, dass wir uns selbst organisieren, Erfahrungen austauschen und den Widerstand gegen die Angriffe auf unsere Lebensbedingungen gemeinsam aufbauen.


Dazu gibt es in den nächsten Wochen gleich mehrere Gelegenheiten:

Kommunen am Limit-Demonstration am 18.07.

Die Auseinandersetzung beschränkt sich nicht auf einzelne Betriebe. Ob längere Arbeitszeiten, Sozialabbau oder Kürzungen in den Kommunen – die Angriffe auf unsere Lebensbedingungen haben dieselbe Ursache und brauchen eine gemeinsame Antwort. Deshalb beteiligen wir uns an der „Kommunen am Limit“-Demonstration am 18. Juli in Stuttgart. Gemeinsam gehen wir gegen Sozialabbau, Kürzungspolitik und den Klassenkampf von oben auf die Straße.

Samstag, 18. Juli, 12 Uhr, Schlossplatz
Gemeinsame Anreise aus S-Ost: 11:30 Uhr am Stadtteilzentrum Gasparitsch
Rotenbergstr. 125, U4 Ostendplatz, U9 Raitelsberg


Grill den Merz“ – Gemeinsames Grillen am 30.07.

Ohne Mampf, kein Kampf – daher laden wir euch zum gemeinsamen Grillabend „Grill den Merz“ am 30. Juli ins Stadtteilzentrum Gasparitsch, ein. Kommt vorbei, lernt uns kennen und kommt mit uns ins Gespräch. Gemeinsam wollen wir Erfahrungen austauschen und darüber diskutieren, wie wir uns gegen die Angriffe auf unsere Lebensbedingungen organisieren können.

Wir stellen das Grillzeug, ihr könnt aber natürlich auch gerne eigene Sachen mitbringen.

Donnerstag, 30. Juli, 18:30 Uhr, Stadtteilzentrum Gasparitsch
Rotenbergstr. 125, U4 Ostendplatz, U9 Raitelsberg


Klassenkampf-Stammtisch

Unser nächster Klassenkampf-Stammtisch findet am Montag, den 31. August um 19 Uhr im Gasparitsch statt. Ab Oktober treffen wir uns dann jeden ersten Montag im Monat um 19 Uhr im Gasparitsch. Kommt vorbei, bringt Kolleg*innen und Freund*innen mit und organisiert euch mit uns gegen die Angriffe auf unsere Klasse und unsere Lebensbedingungen.

31. August, 05. Oktober, 02. November, 07. Dezember, jeweils 19 Uhr
Stadtteilzentrum Gasparitsch, Rotenbergstr. 125, U4 Ostendplatz, U9 Raitelsberg