„Dort kämpfen, wo das Leben ist!“ – Gramsci, Hegemonie, Gegenmacht und revolutionäre (Real-)Politik – mit Orhan Sat

Die Veranstaltung hat im Mai 2026 stattgefunden.


Literatur- und Hörempfehlungen

Inhaltsverzeichnis


Literatur

Antonio Gramsci zur Einführung

von Thomas Barfuss und Peter Jehle

Die Einführung zeichnet Gramscis politische und intellektuelle Entwicklung nach und erläutert zentrale Begriffe wie Hegemonie und Zivilgesellschaft. Sie verbindet biografische Einordnung mit einer systematischen Darstellung seiner Theorie.

Junius Verlag, 2024, 192 Seiten. ISBN 978-3-88506-084-0


Einführung Gramsci. Hegemonie – Zivilgesellschaft – Partei

von Harald Neubert

Neubert konzentriert sich auf die politischen Kernbegriffe Gramscis und erklärt deren Bedeutung für marxistische Theorie und Praxis. Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel von Hegemonie, Zivilgesellschaft und Partei als Voraussetzungen gesellschaftlicher Veränderung.

VSA Verlag, 2022, 96 Seiten. ISBN 978-3-96488-151-9


Gramsci lesen – Einstiege in die Gefängnishefte

von Lia Becker, Mario Candeias, Janek Niggemann &  Anne Steckner

Der Sammelband bietet einen zugänglichen Einstieg in die Gefängnishefte und erschließt zentrale Konzepte anhand ihrer historischen Entstehung. Dabei werden insbesondere Hegemonie, Alltagsverstand und Subalternität diskutiert.

Argument Verlag, 2026, 336 Seiten. ISBN 978-3886193561


Hegemonie

von Benjamin Opratko

Das Buch kontextualisiert und erklärt Gramscis Hegemoniebegriff. Darüber hinaus stellt es neogramscianische Ansätze vor. Besonders empfehlenswert ist die Erläuterung des Hegemoniebegriffs.



Hörempfehlungen

[Alle Links verweisen auf YouTube]

Gramsci: Gefängnishefte mit Lia Becker

tl;dr – Theoriepodcast der RLS, Folge 3, 43 Min

Überblick über das politische Wirken Gramscis und Zusammenfassung der zentralen Thesen der Gefängnishefte.

Antonio Gramsci

Rosalux History, Folge 16, 62 Min

Über sein Leben, die „roten Jahre“ der Turiner Fabrikrätebewegung, die Gefängnishefte und deren Rezeption.

Revolutionäre Stadtteilarbeit – „Dort kämpfen, wo das Leben ist!“

Kommunisten Kneipe mit der Organisierten Autonomie (56 Min)

Was bedeutet revolutionäre Stadtteilarbeit? Und was heißt es „dort zu kämpfen, wo das Leben ist“.


Artikel

Der Stadtteilansatz – kurz vorgestellt

Basis- & Stadtteilarbeit in der Praxis in „Ungehorsam jetzt“-Zeitung gegen Krieg, Sozialabbau und Rechtsentwicklung


Ankündigung der Veranstaltung

„Dort kämpfen, wo das Leben ist!“ – Gramsci, Hegemonie, Gegenmacht und revolutionäre (Real-)Politik – mit Orhan Sat

  • „Glück und Freiheit werden durch Konsum erreicht“
  • „Harte Arbeit führt automatisch zu Erfolg“
  • „Der Kapitalismus ist die einzige denkbare Gesellschaftsform“
  • „Loyalität zum Nationalstaat ist selbstverständliche Pflicht“

Diese Glaubenssätze sind so tief in der Gesellschaft verankert, dass sie von den meisten als „natürlich“ oder „selbstverständlich“ akzeptiert werden. All das ist Teil dessen, was Antonio Gramsci (1891-1937) als Hegemonie beschrieben hat: Kapitalistische Herrschaft basiert nicht allein auf Gewalt, sondern auf der aktiven Zustimmung zu den unterdrückerischen Verhältnissen. Diese wird durch die Vermittlung kapitalistischer Werte über Schule, Medien, Kultur und Alltag ständig reproduziert. Und so werden die Interessen der Herrschenden zu scheinbaren Allgemeininteressen.

Wenn wir diese Verhältnisse verändern wollen, reicht Kritik allein nicht aus. Es braucht den Kampf um die Herzen und Köpfe – um den Alltagsverstand – der Menschen. Es geht um den Aufbau von Gegenmacht. Und dafür müssen wir „dort kämpfen, wo das Leben ist!“

Doch was steckt hinter diesem Aufruf, hinter „Alltagsverstand“, „Gegenmacht“ und vor allem: Was sind die theoretischen Grundlagen von „Hegemonie“? Auf diese und weitere Fragen wird Orhan Sat in der Veranstaltung eingehen. Gemeinsam wollen wir diskutieren, was dies für eine heutige linke Praxis bedeuten kann – wie konkret Gegenmacht im Alltag aufgebaut werden kann und wie dies mit dem „dort kämpfen, wo das Leben ist“-Aufruf zum revolutionären 1. Mai zusammenhängt.

Orhan Sat ist in der Türkei geboren und musste das Land aufgrund seiner politischen Aktivitäten verlassen. Er ist heute als Gewerkschaftssekretär aktiv und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Hegemonie, Klassenpolitik und Fragen der Organisierung. Als Referent und Teilnehmer ist er regelmäßig an den Braunschweiger Gramsci-Tagen beteiligt und bringt sowohl theoretische als auch praktische Perspektiven in die Diskussion ein.


Samstag, 06. Juni, 18 Uhr
Stadtteilzentrum Gasparitsch
Rotenbergstr. 125, Stuttgart

Am 07. Juni: Workshop mit Orhan Sat zu „Revolutionäre Stadtteilarbeit“ – Es gibt nur begrenzte Plätze. Bitte meldet euch an per Instagram über @oa.stuttgart oder unter stuttgart@organisierte-autonomie.org.


Die Veranstaltung findet in unserer Reihe „Theorie trifft Praxis“ statt. In der Reihe ergänzen wir unsere praktische Arbeit durch Veranstaltungen, die sie mit theoretischem Wissen untermauern und inhaltliche Debatten anregen. Ziel ist es, das wechselseitige Verhältnis von Theorie und Praxis zu stärken und eine fundierte Auseinandersetzung zu fördern.

Begleitend dazu stellen wir kuratierte Materiallisten mit Buchempfehlungen, Filmen, Dokumentationen und Podcasts zur Verfügung.


Die Veranstaltung wird unterstützt von der Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg