Mahnwache zur Urteilsverkündung
10/01/2026Gestern, fast genau ein Jahr nach seiner Tat, wurde der Mörder von Aleyna zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Er hatte die 25-jährige Studentin in ihrer eigenen Wohnung in Stuttgart-Ost mit vielen Messerstichen getötet. Als ausschlaggebende Gründe für das Urteil nannte der Richter niedrige Beweggründe, Heimtücke und Nachweise dafür, dass der Mörder die Tat im Vorfeld geplant hatte.
Der Mörder hatte Aleyna im Fitnessstudio kennengelernt, erfolglos engeren Kontakt mit ihr gesucht auf seinem Handy einen Ordner mit heimlichen Fotos angelegt, die er im Fitnessstudio von ihr gemacht hatte. Nachdem der Täter Aleyna zusammen mit ihrem Freund sah, beschloss er, ihr Leben zu beenden. Dieser Fall zeigt wieder, wie schnell die Objektifizierung von Frauen in Gewalt umschlagen kann, wenn ein Mann von einer Frau nicht genau das bekommt, was er will.
Vor der Urteilsverkündung haben sich Angehörige, ADHK, die FKO, das Frauenkollektiv Stuttgart, SRGK und solidarische Personen in Form einer Mahnwache außerhalb des Gerichtsgebäudes zusammengefunden. Die Mutter von Aleyna, die schon zuvor bei einer Kundgebung im November gesprochen hatte, hielt erneut eine kurze Rede, die uns sehr bewegt hat: Sie betonte, dass Aleyna eine lebensfrohe junge Frau war, die durch das Besitzdenken eines beinahe Fremden aus ihrem Leben gerissen wurde. Einen Fokus setzte sie dabei darauf, dass die Schuld für solche Taten alleine bei den Tätern liegt. Frauen sollten keine Angst haben müssen, ermordet zu werden, nur wenn sie einem Mann zulächeln oder weil sie einfach nur existieren. Dafür möchte Aleynas Mutter auch in Zukunft weiter kämpfen und Präventionsarbeit leisten, damit so etwas nie wieder passiert.
In einer Rede nach dem Prozessende sagte das FKO zu dem lebenslangen Urteil, es sei „in gewisser Weise eine Anerkennung eines Femizid, und das ist leider keine Selbstverständlichkeit, denn wir sehen auch immer wieder gegenteilige Urteile“.
Vor wenigen Monaten wurde zum Beispiel ein Mann aus Remseck, der seine Frau ebenfalls mit Messerstichen getötet hatte, nur zu sieben Jahren Haft verurteilt, das Urteil lautete nur Totschlag statt Mord.
Der Richter führte auch im Prozess zum Femizid von Aleyna in seiner Begründung des Urteilsspruches aus, dass das Urteil im Falle einer engeren Beziehung zwischen dem Mörder und Aleyna strafmildernd für den Täter gewirkt hätte. Die „Eifersucht“ des Mörders wäre in diesem Falle dann „verständlicher“ gewesen. Das zeigt, von welchen patriarchalen Strukturen die deutsche Gesetzgebung und das Justizsystem durchzogen ist und wie es sogar im Falle einer brutalen Tötung die Täter immer noch schützt, indem es deren Motive zur Ermordung von Frauen rechtfertigt.
Als solidarische Frauen* waren wir heute Teil der Mahnwache und bei der Urteilsverkündung anwesend, um auf die strukturelle Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, die in ihrer brutalsten Form von patriarchaler Gewalt in einem Femizid enden kann. Egal, ob der Täter ein Fremder ist oder ein Freund oder Ehemann: Femizide sind für uns immer Mord. Um weitere Femizide zu verhindern, wird uns das patriarchale Justizsystem nicht helfen. Was wir brauchen, ist eine grundlegende Veränderung in unserer Gesellschaft, in der Femizide und jegliche Gewalt gegen Frauen nicht mehr akzeptiert wird, in der die Unterdrückung von Frauen nicht mehr als normal toleriert wird und in der alle Geschlechter tatsächlich gleichgestellt und frei und ohne Angst leben können. Lasst uns das zusammen angehen. Lasst uns zusammen stehen Tag für Tag, ob vor Gericht, zuhause oder auf den Straßen unserer Städte!
Ni una menos- Nehmt ihr uns eine, antworten wir alle!

