Wir entlassen euch in den Fachkräftemangel
10/09/2026Fachkräftemangel, Massenentlassungen und der Ruf nach längeren Arbeitszeiten
Wer die Veröffentlichungen in deutschen Medien verfolgt, kennt das Phänomen, dass das Bedauern über einen angeblich vorhandenen Fachkräftemangel1 direkt neben den neuesten Nachrichten zu weiteren Massenentlassungen2 steht. Gern ergänzt um den Hinweis, dass überhaupt in der BRD zu wenig gearbeitet werde3. An sich klingt das, als würden sich die Nachrichten wunderbar ergänzen und alle könnten glücklich sein. Leute werden entlassen, haben damit die Möglichkeit, sich weiterzubilden, um danach in den neuen Berufen zu besseren Bedingungen mehr arbeiten zu können.
Ok, kleiner Reality Check. Der angebliche Fachkräftemangel z.B. bei Gesundheits- und Pflegeberufen besteht schon seit die „Bundesagentur für Arbeit“ die entsprechenden Statistiken erhebt – seit 20114. Zeit genug also, massiv in die Ausbildung in diesem Bereich zu investieren. Blöd nur, dass Investieren immer mit Geld ausgeben einhergeht und damit aus Kapitalistensicht die Rendite schmälert. Also soll das „Problem“ ausgelagert werden. Auf der einen Seite in die außerberufliche Weiterbildung. Das kostet zwar den deutschen Staat und damit indirekt auch die Unternhmen, kann aber zumindest auf die gesamte Bevölkerung umgelegt werden. Auf der anderen Seite sollen gezielt Menschen zur Einwanderung bewegt werden, die bereits die erforderlichen Qualifikationen mitbringen5. Dabei geht es explizit nicht um die Aufnahme von Flüchtenden oder die Öffnung für Menschen, sondern die gezielte Anwerbung von Qualifikation und damit eine Verlagerung der Ausbildungskosten in deren Herkunftsländer. Abgesehen davon, was das für die Herkunftsländer bedeutet, zeigt sich hier auch der antihumanistische Ansatz des Kapitalismus in seiner ganzen Fratze.
Dass bei den derzeit knapp 5 Millionen Menschen in der BRD, die gern arbeiten würden, es aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht können6, nicht ausreichende finden, die für sogenannte Engpassberufe entweder bereits qualifiziert sind oder qualifiziert werden können, ist äußerst unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass entweder die Qualifizierungsmaßnahmen nicht angeboten werden (Stichwort „Kosten“) und/oder die Arbeitsbedingungen inkl. aber nicht nur der Bezahlung nicht attraktiv genug sind.
Zuletzt sei noch auf darauf hingewiesen, dass im Zusammenhang mit dem sog. Fachkräftemangel gern darauf verwiesen wird, dass auch allgemein in der BRD zu wenig gearbeitet werde. Dass das ein Mythos ist, der den Fakten nicht Stand hält, lässt sich schon alleine mit den öffentlichen Statistiken zeigen7. Die durchschnittliche Anzahl gearbeiteter Stunden pro erwerbstätiger Person ergibt sich nicht aus einer Reduzierung der individuellen Arbeitszeiten sondern der Tatsache, dass in der Vergangenheit nicht Beschäftigte nunmehr arbeiten – allerdings in Teilzeit. Das Arbeitsvolumen insgesamt hat deutlich zugenommen. Insofern sind die Rufe nach Mehrarbeit wie exemplarisch anhand von Mercedes gezeigt („Mercedes-Benz verlangt von seinen Beschäftigten mehr Arbeit – zum gleichen Lohn“) nicht eigentlich der Ruf nach mehr Arbeit sondern nach einer Reduzierung der Arbeitskosten.
Der Ruf nach der Zuwanderung von Fachkräften bei gleichzeitigen Massenentlassungen und dem Ruf nach längeren Arbeitszeiten entlarvt sich damit als schnöder Klassenkampf von oben. Die Kosten der Ware Arbeitskraft und damit unser Lohn sollen reduziert werden. Alles weitere ist nur Rhetorik und Verschleierung.
Deshalb müssen wir uns gemeinsam gegen den sozialen Kahlschlag und die Angriffe auf unsere Lebensbedingungen organisieren. Für ein gutes Leben für alle!
Kommt zum Klassenkampf-Stammtisch. Jeden ersten Montag im Monat um 19 Uhr im Stadtteilzentrum Gasparitsch.
Und kommt mit uns auf die Straße:
Gegen Sozialabbau
Samstag, 26.09. 2026, 11:55 Uhr, Schlossplatz
Vortreffpunkt: 11:15 Uhr, Stadtteilzentrum Gasparitsch


Gegen Militarisierung und Sozialabbau
Geld für unser Viertel statt für ihre Kriege!
Samstag, 03.10.2026, 13 Uhr, Schlossplatz
Vortreffpunkt: 12:15 Uhr, Stadtteilzentrum Gasparitsch
1 https://www.tagesschau.de/thema/fachkräftemangel
2 https://www.tagesschau.de/thema/stellenabbau
3 https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mercedes-benz-autobauer-muss-sparen-und-will-35-stunden-woche-kippen-a-c09ebdb3-be61-4060-8da9-f66dc128101d
4 https://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/201104/arbeitsmarktberichte/fk-engpassanalyse/fk-engpassanalyse-d-0-201104-pdf.pdf?__blob=publicationFile&v=1
5 https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Downloads/E/eckpunktepapier-zur-fachkraefteeinwanderung-aus-drittstaaten.pdf?__blob=publicationFile&v=1
6 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_154_13.html?nn=630444
7 https://www.destatis.de/DE/Im-Fokus/Fachkraefte/Erwerbstaetigkeit/_inhalt.html

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Geld für unser Viertel – statt für ihre Kriege!

