Frauenkampf ist jeden Tag, Solidarität statt Patriarchat
04/03/2026Der 8. März steht in der Tradition des Frauenkampftages, an welchem Frauen* seit über hundert Jahren für ihre Rechte und Freiheiten kämpfen. Dabei drängt sich uns das Thema des solidarischen Umgangs miteinander nahezu auf. Denn Gründe, weswegen wir uns als Frauen zusammenschließen müssen, fallen uns leider genügend ein.
Der Kapitalismus lässt uns zunehmend als Einzelkämpfer*innen dastehen, Einsamkeit ist ein immer drängenderes Thema unserer Gesellschaft. Und es ist gar nicht so einfach, der Konkurrenz zu anderen und der Selbstoptimierung, die in der jetzigen Gesellschaftsform wichtig zu sein scheinen, etwas entgegenzusetzen. Darüber hinaus sorgen patriarchale Rollenbilder dafür, dass wir uns immer mehr in Paarbeziehungen oder die bürgerliche Kleinfamilie zurückziehen.
Dem wollen wir feministische Solidarität entgegenstellen – doch was bedeutet es, unter Frauen solidarisch zu sein?
Unter Frauen solidarisch zu sein, kann bedeuten…
… hinzuschauen und zu unterstützen, wenn in der Nachbarschaft jemand schreit
… sich gegenseitig zu bestärken und sich nicht kleinreden zu lassen
… miteinander zu reden über Themen, die uns beschäftigen
… gemeinsam Kontra zu geben bei sexistischen Sprüchen
… sich zusammen zu schließen und gemeinsam aktiv zu sein
Dabei bedeutet Frauensolidarität nicht, dass man miteinander befreundet sein muss oder dass wir in allen inhaltlichen Punkten miteinander übereinstimmen müssen. Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten sollten Teil unseres gemeinsamen Miteinanders sein, ein gemeinsamer Aushandlungsprozess sorgt für kollektive Momente des Miteinanders.
Denn gemeinsam können wir uns wehren gegen die Ungerechtigkeit und Unterdrückung dieser Welt. Schon unsere Vorgängerinnen haben es vorgemacht und gemeinsam für ihre Rechte und Freiheiten gekämpft. Sei es das Wahlrecht, seien es die Kämpfe um einen legalen Schwangerschaftsabbruch. Und auch international stehen Frauen solidarisch Seite an Seite mit ihren Mitstreiterinnen – sei es in Rojava oder im Iran und Afghanistan.
Ein solidarisches Miteinander kann nur gemeinsam erreicht werden. Gemeinsam als Teil der Lohnarbeitenden, gemeinsam als Frauen und gemeinsam als unterdrückte Menschen weltweit.

Solidarität mit Frauen statt Gewalt
Gewalt gegen Frauen begegnet uns überall. Sexistische Sprüche, Catcalling, Stalking, heimliches Filmen, sexuelle Belästigung im Job und Gewalt durch (Ex-)Partner sind trauriger Alltag. Auf Gerechtigkeit können Frauen bisher nur vergeblich hoffen. So werden z.B. in Deutschland nur 5% der tatsächlichen Vergewaltigungen angezeigt, wovon nur ca. 1% tatsächlich verurteilt werden. Betroffenen wird nicht geglaubt und Täterschutz ist bittere Realität. An der Spitze dieser Gewalt stehen Femizide. In Stuttgart wurde erst im Januar 2026 die 31-jährige Maha D. durch ihren Partner getötet. Ihr Tod ist kein „Beziehungsdrama“ oder „Einzelfall“, sondern Teil der strukturellen Gewalt gegen Frauen. Femizide sind das tödliche Ergebnis patriarchaler Gewalt. Der Anstieg von Gewalt gegen Frauen ist kein Zufall. Mehr Gewalt entsteht dort, wo soziale Ungleichheit, männliche Dominanz und rechte Politik zusammenwirken. Die Erweiterungen des Sexualstrafgesetzt durch „Nur Ja heißt Ja“ und Reformen nach dem Pelicot-Fall in Spanien und Frankreich zeigen, dass sich die Lage von Frauen trotz dieser Verhältnisse verbessern kann. Diese Veränderungen sind aber keine Geschenke des Staates, sondern das Ergebnis jahrelanger feministischer Kämpfe. Deshalb reicht es nicht, sich auf Gesetze, Polizei oder Gerichte zu verlassen, besonders wenn rechte Kräfte immer mehr Einfluss bekommen.
Dieser Staat schützt mich nicht – meine Schwestern schützen mich.
Solidarität mit Frauen statt Haushaltskürzungen
Die aktuellen Kürzungspläne in Stuttgart treffen Frauen in besonderem Maße. Steigende Kita-Gebühren verschärfen die finanzielle Lage vieler Familien. Insbesondere Alleinerziehende, die überwiegend Frauen sind, sind davon betroffen. Hinzu kommt, dass sog. „Frauenberufe“, wie die des Pflege-, Erziehungs- und Sozialbereichs, trotz hoher gesellschaftlicher Relevanz, weiterhin chronisch unterfinanziert und schlecht bezahlt sind. Doch auch in allen anderen Berufsgruppen zeigt der Gender Pay Gap, dass Frauen weniger verdienen und wirtschaftlich schlechter abgesichert sind. Niedrigere Löhne, unterbrochene Erwerbsbiografien und Teilzeitarbeit aufgrund von Care-Arbeit, führen langfristig zu geringeren Renten. Sie erhöhen somit das Risiko von Altersarmut von Frauen. Hinzu kommen Kürzungen der Gelder für Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen. Die staatlichen Unterstützungen für Frauen, um sich von Abhängigkeiten und der Gewalt in Partnerschaften zu lösen, fehlen damit zunehmend. Sparpolitik verschärft somit bestehende patriarchale Machtverhältnisse und die soziale Ungleichheit von Frauen.

Solidarität statt Militarisierung und Krieg
Deutschlands Verteidigungsausgaben steigen im kommenden Jahr auf 108,2 Milliarden Euro. Für Kriegstüchtigkeit und Militarisierung sind also Milliarden im Überfluss vorhanden. Gleichzeitig wird der Sozialstaat zunehmend abgebaut: Kita-Gebühren steigen, der Pflegegrad 1 wird abgeschafft, die „neue Grundsicherung“ geht mit strikteren Kürzungen einher. Sehr oft müssen die Folgen von Sozialabbau und einem maroden Bildungssystem wir Frauen als Mütter, pflegende Töchter oder Verwandte tragen.
Gleichzeitig wird ein Krieg vorbereitet, angeblich in unserem Namen. Doch es geht nicht um unser gutes Leben, sondern um Macht- und Wirtschaftsinteressen. Unsere Angehörigen sollen kämpfen, Frauen sind in Konflikten besonders von sexualisierter Gewalt betroffen und werden systematisch als Kriegswaffe vergewaltigt.
Dieser Staat rüstet auf und kürzt im Sozialen – und wir sollen die Konsequenzen tragen. Solange Militarisierung, Patriarchat und Kapitalismus zusammenwirken, stehen unsere Rechte und unsere Sicherheit nicht im Mittelpunkt.

Solidarität statt Rechtsentwicklung
Um rassistische und menschenfeindliche Aussagen mitzubekommen, braucht man heutzutage nicht mehr nur nach rechts zu schauen. Auch vermeintlich bürgerliche Parteipolitiker*innen von CDU, Grünen und SPD sparen nicht mit „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“-Aussagen und rassistischen Ressentiments. Gekrönt wird das noch mit Abschiebungen und Forderungen nach Verschärfung des Abschieberechts. Das war deutlich zu erkennen an der Aussage von Bundeskanzler Merz zum Stadtbild und der vermeintlichen Sorge um die Töchter. Sie mussten herhalten, um seine rassistischen Aussagen zu untermalen und bekräftigen.
Am 8. März wird ein neues Landesparlament gewählt. Es ist zu erwarten, dass rechte und rechtskonservative Parteien gestärkt aus den Wahlen hervorgehen werden. Das wiederum bedeutet für uns Frauen ein Drängen in klassische Rollenbilder, ein Zurückdrängen ins Heim und an den Herd und die bereits erkämpften Erfolge von unseren Vorgängerinnen werden stark gefährdet. Doch es ist egal, wen wir wählen, dieser Staat schützt uns nicht. Denn die Parteien, die die Regierung stellen werden, werden die Belange von uns Frauen nicht im Blick haben und dementsprechend wird es für uns auch nicht einfach so Verbesserungen geben.
Das lassen wir uns nicht gefallen! Daher kämpfen wir solidarisch miteinander für eine Gesellschaft, die die Gleichstellung und Freiheit von Frauen ernst nimmt.
Gerade jetzt ist Solidarität mit Frauen überlebenswichtig. Feministische Solidarität ist somit kein Ideal, sondern eine politische Notwendigkeit.
Feministische Solidarität heißt hinzuschauen, wenn Frauen Ausgrenzung, Unterdrückung und Gewalt erleben und die Täter zu verurteilen.
Feministische Solidarität heißt, Sparpolitik als das zu benennen, was sie ist. Eine Politik auf Kosten von Frauen, Sorgearbeit und sozialer Gerechtigkeit.
Feministische Solidarität heißt, gemeinsam gegen Militarisierung und Rechtsentwicklung auf die Straße zu gehen.
Feministische Errungenschaften entstehen dort, wo wir uns gegenseitig schützen, stärken und gemeinsam auf die Straße gehen. Deshalb am 8. März und darüber hinaus: für mehr Frauen-Solidarität!
*Wir setzen das Wort Frau/Frauen für Personen, die sich als Frauen definieren und/oder von der Gesellschaft als weiblich gelesen werden und somit ähnliche Erfahrungen machen
Termine
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8.3.26: Demonstration des Aktionsbündnis 8. März zum internationalen Frauenkampftag ab 14 Uhr auf dem Schlossplatz in Stuttgart
Kommt mit uns gemeinsam in den Frauen*-Bereich am Anfang. Ihr findet uns am Hochtranspi der organisierten autonomie/des Frauenkollektivs Stuttgart -
14.3.26: ab 19 Uhr feministische Kneipe mit Essen, Getränken, Quiz, ab 22 Uhr feministische Party mit DJ AfroPunk, DJ Schramme und ThatsY im Stadtteilzentrum Gasparitsch
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Save the Date: 21.11.26: Das Frauenkollektiv Stuttgart feiert 10-jähriges Jubiläum – Ort und weitere Infos folgen
