Ungehorsam, laut und widerständig. Heraus zum 8. März gegen Krieg, Krisen und Rechtsentwicklung!

Ungehorsam, laut und widerständig. Heraus zum 8. März gegen Krieg, Krisen und Rechtsentwicklung!

28/01/2026 Aus Von organisierte autonomie Stuttgart

Kriege, Krisen, Rechtsentwicklung und dazwischen wir: Lohnabhängige Frauen*, die im Alltag mit immer größeren Unsicherheiten zu kämpfen haben. Die Gewalt gegen uns ist in den vergangenen Jahren auf allen Ebenen gestiegen, Abtreibungen immer noch weiterhin im Strafgesetz, immer noch sind wir es, die viel mehr Zeit mit Haushalt, Sorge-und Erziehungsarbeit verbringen und nach wie vor weniger verdienen. Gleichzeitig reicht ein Lohn schon lange nicht mehr aus, um die immer steigenden Mieten, Lebensmittel- und Energiepreise zu bezahlen. 

Am 8. März 2026 können wir in Baden-Württemberg ein neues Landesparlament wählen. Die Prognosen sagen voraus, dass etwa die Hälfte der Wähler*innen rechte Parteien wie CDU und AfD wählen wird. Damit wird sich die Rechtsentwicklung auch in den Landesparlamenten, in der Gesetzgebung auf Landesebene, in der Polizei und im Justizsystem, als auch in den Stuttgarter Institutionen in den nächsten Jahren weiter manifestieren. Daraus folgend werden Frauen weiter in klassische Rollenmuster gedrängt und bereits erkämpfte Errungenschaften gefährdet. Die Haushaltsplanungen der Stadt Stuttgart für die Jahre 2026/27 sind ein weiterer Schlag ins Gesicht. Gespart wird vor allem im sozialen Bereich. So stehen uns in den nächsten zwei Jahren eine Erhöhung der Kitagebühren um bis zu 22%, Kürzungen bei der Betreuung alter Menschen, bei der Finanzierung der Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen, Interventionsverfahren gegen häusliche Gewalt oder der Familiencard bevor. Wer diese Ausfälle dann unbezahlt übernehmen muss, ist natürlich klar. Wir Frauen.

Merz und Co hetzen

Zu der als alternativlos dargestellten, brutalen Umverteilung von unten nach oben meinte Bundeskanzler Merz: „Das wird schmerzhafte Entscheidungen bedeuten“. Wir wissen, wem sie weh tun und wem nicht. Wir wissen, dass Merz sich nicht selbst meint, dass er nicht den Vorstand von Waffenproduzenten, wie Rheinmetall meint, oder andere Konzernchef*innen. Er meint, dass die Entscheidungen der Mächtigen uns, der absoluten Mehrheit, weh tun werden. Die Auswirkungen dieser kapitalistischen Prämisse sind insbesondere für uns Frauen brandgefährlich. Denn wenn gespart wird, wird an unserer Sicherheit gespart – an unserer sozialen, finanziellen und physischen.

Die Töchter antworten: Ungehorsam jetzt!

Wir haben die Schnauze voll davon, dass es nie um das geht, was wir wollen oder brauchen. Wir sollen uns um Haushalt, Kinder und Angehörige kümmern, weil im Kapitalismus niemand die Rechnung dafür zahlen will. Gleichzeitig plant die Regierung, uns mit der „Neuen Grundsicherung“ nach einem Jahr Erziehung schon wieder in eine Vollzeit-Arbeit zu zwingen, um Geld einzusparen. Wie wir massive Krippenkosten stemmen sollen, wird uns als privates Risiko aufgebürdet. Doch wir sagen Nein! Für Aufrüstung ist Geld da ohne Ende. Für Steuergeschenke an Konzerne ist Geld da bis zum Abwinken.

An die Adresse der Herrschenden: Erzählt uns also keine Märchen. Ihr müsst nicht an uns sparen, ihr wollt es. Ihr wollt uns durch Sanktionen in der „Neuen Grundsicherung“ auf Spur bringen und erpressbar machen. Wir sollen als lohnabhängige Klasse gehorsam sein und gerade wir Frauen haben von klein auf gelernt, brav zu sein und nicht zu widersprechen. Doch damit ist Schluss! 

Wir sind laut, wenn die Zahl der Femizide und der sexualisierten Übergriffe ständig steigt und ihr unsere Unsicherheit zum privaten Problem erklärt. Wir schreien auf, wenn Innenminister Dobrindt seine Überwachungsphantasien mit unserem angeblichen Schutz begründet. Wir sagen Nein zu unserer eigenen Instrumentalisierung! Weder für rassistische Hetze noch für Überwachung halten wir her. Euer erzreaktionäres Gesellschaftsbild ist gegen uns gerichtet und profitiert von unserer Ausbeutung und Unterdrückung. Dass ihr daher nichts daran ändern wollt, wissen wir genau. 

Für echte Selbstbestimmung

Wir begehren auf, wenn ihr euch weiterhin weigert, unsere körperliche Selbstbestimmung endlich aus dem Strafrecht zu verbannen. Die absolute Mehrheit der Gesellschaft ist für eine Entkriminalisierung der Schwangerschaftsabbrüche, aber es ist nun einmal nicht im Interesse der reaktionären Herren, uns über die Reproduktion der Gesellschaft entscheiden zu lassen. Doch wir werden niemals schweigen und auch weiterhin für die Abschaffung des §218 kämpfen. Abtreibung muss endlich zur generellen Gesundheitsversorgung gehören. Und auch da dürfen wir nicht stehen bleiben. Denn was ist es denn für eine Selbstbestimmung, wenn man sich ein Kind schlicht nicht leisten kann; wenn man drauf verzichtet, aus Angst, dass es irgendwann zu einem unsinnigen Krieg der Herrschenden eingezogen wird, aus Angst vor dem Klimakollaps und dem zunehmenden autoritären Staatsumbau. Nein, wir kämpfen dafür, dass wir wirklich selbst entscheiden können, ob wir Kinder wollen und wenn ja, wann und wie viele. 

Sorgearbeit und Erziehung radikal neu denken

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Aktuell passiert das Gegenteil: immer mehr Folgen des Spardiktats werden in die Kleinfamilie abgeschoben. An Schulen wird gespart? Sollen doch die Eltern kompensieren. KiTas sind überlastet und fallen häufiger aus? Müssen sich halt die Eltern drum kümmern – sehr oft ist mit Eltern Mütter gemeint. Schluss damit! Wir brauchen dringend mehr solidarische Kollektive statt das Abdrängen ins Private. Wir brauchen Häuser, in denen wir Gemeinschaftsräume und Gemeinschaftsküchen haben, um die Sorgearbeiten tatsächlich gemeinsam erledigen zu können. Wir brauchen gut ausgestattete KiTas, die kostenlos zur Verfügung stehen. Und wenn der Gleichberechtigungswunsch in vielen Familien den ökonomischen Zwängen weicht, dann kann es als Sofortmaßnahme nur heißen: radikale Kürzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich – selbstverständlich bei gleichem Gehalt für alle Geschlechter.

Klingt gut, aber wie soll das gehen? 

Wir haben uns erkämpft, wählen zu dürfen. Aber was nützt es uns, zwischen einem Einheitsbrei aus Parteien wählen zu können, die alle nicht in unserem Interesse als Lohnabhängige handeln? Es spielt keine Rolle ob CDU/CSU/SPD/Grüne oder am Schluss sogar die FDP – von der AfD ganz zu schweigen: sie alle verwalten auf die eine oder andere Art und Weise das politische und ökonomische System, das unsere Ausbeutung und unsere Unterdrückung in vollem Gange hält. Unser Ziel: Den Kapitalismus und das Patriarchat platt machen. Dabei verlassen wir uns auf niemand anderen außer auf uns selbst und unsere Klasse. Diesen Kampf delegieren wir nicht! Wir wollen eine Welt, in der wir die Pflege der Alten und Kranken, das Aufziehen der Kinder auf alle verteilen – ungeachtet des Geschlechts. Wir wollen eine Welt, in der wir gemeinsam bestimmen, was wir produzieren – nach unseren Bedürfnissen und nicht anhand vom Profitstreben des Kapitals. Wir wollen eine Welt, in der Wohnungen und Gesundheit keine Ware sind, sondern alle den Wohnraum bekommen, den sie brauchen, die Gesundheitsversorgung, die sie benötigen und auch im Alter gut abgesichert sind. Das geht nur, indem wir die Bescheidenheit endlich hinter uns lassen und ungehorsam, laut und widerständig sind! Wir wollen alles! 

Es reicht nicht aus am 8. März die Kreuzchen an einer Stelle zu setzten die ganz ok ist, wir müssen die Veränderung der Gesellschaft in unsere Hände nehmen, gemeinsam als Frauen unserer Klasse, als Nachbarinnen, Freundinnen, Kolleginnen etc. Dazu wollen wir rund um den 8. März gemeinsam auf die Straße gehen, aber auch darüber hinaus uns organisieren, diskutieren und zusammen kommen:

07.03. 13 Uhr Kundgebung/Infotisch zum Frauenkampftag, Rewe am Ostendplatz, Stuttgart-Ost

08.03. 14 Uhr Demonstration des Aktionsbündnis8März in der Innenstadt

14.03. ab 19 Uhr feministische Kneipe und Party mit Essen und Live-Musik, Stadtteilzentrum Gasparitsch

17.03. 19 Uhr Diskussionsrunde Wir reden drüber zu „Kinder, Küche, Herd sind (k)ein ganzes Leben wert – Warum wir den 8. März auch heute noch brauchen“, Stadtteilzentrum Gasparitsch


* Mit dem Sternchen beziehen wir alle Menschen mit ein, die im Patriarchat als Frauen unterdrückt werden, unabhängig davon, ob sie sich selbst als solche identifizieren.