Geld für unser Viertel – statt für ihre Kriege – Bericht zur Kundgebung und Infotisch
29/11/2025Die Gesellschaft wird kriegstüchtig gemacht und auf den Krieg eingeschworen, gleichzeitig werden tiefe soziale Einschnitte vorbereitet und umgesetzt. Dies geht mit einer gesellschaftlichen Rechtsentwicklung einher. Umso wichtiger für uns, sich diesen Entwicklungen entgegenzustellen – nicht nur mit großen Mobilisierungen wie dem 03. Oktober, sondern auch im Alltag und vor Ort.
Deshalb haben wir am Freitag, den 28. November, zu einer Stadtteilkundgebung aufgerufen unter dem Motto „Geld für unser Viertel – statt für ihre Kriege!“. Unser Ziel war es, die politischen Entwicklungen genau dort sichtbar zu machen, wo Menschen leben, arbeiten und ihren Alltag verbringen.
Dem Aufruf folgten einige Menschen, und während der Kundgebung blieben viele Passant*innen stehen, informierten sich und suchten das Gespräch. Vor allem die Themen Krieg sowie die kommunalen Kürzungen und ihre Folgen wurden häufig angesprochen und diskutiert. Das zeigte sich auch auf unseren Wandtafeln, auf denen wir gefragt hatten, wo die Auswirkungen der Kürzungen besonders spürbar sein werden und wofür das Geld stattdessen eingesetzt werden sollte.
Auch den Beiträgen der Kundgebung wurde aufmerksam zugehört. Sie boten unterschiedliche Perspektiven auf die aktuellen Verhältnisse und luden zur Diskussion sowie zu anstehenden Terminen ein, unter anderem:
- zum Schulstreik am 5.12. um 11:30 Uhr am Kronprinzplatz
- zum Kriegsdienstverweigerungs-Workshop mit der DFG-VK am 12.12. um 17:45 Uhr im Stadtteilzentrum Gasparitsch
- zum offenen Treffen des Frauenkollektivs am 8.12. um 19 Uhr
- zur Diskussionsrunde zu Sozialabbau und kommunalen Kürzungen am 16.12. um 19 Uhr, ebenfalls im Stadtteilzentrum Gasparitsch
Ein kurzes Fazit
Es ist wichtig, diese Themen im Alltag der Menschen präsent zu machen – das wurde uns auch von mehreren Personen zurückgemeldet. Dafür waren die Kundgebung und der Infotisch ein guter und notwendiger Schritt.
Eine Passantin meinte sogar, solche Aktionen müssten viel häufiger stattfinden.
Daran wollen wir anknüpfen – und laden alle ein, das gemeinsam mit uns zu machen.
In diesem Sinne war die Kundgebung ein guter Anfang. Aber dabei sollte es nicht bleiben.
Kommt zu den Diskussionsrunden im Stadtteilzentrum Gasparitsch, bringt euch in die Initiativen ein und lasst uns gemeinsam deutlich machen, dass wir uns die Kürzungen nicht gefallen lassen – nicht heute, nicht morgen und erst recht nicht in den kommenden Jahren!




Beiträge
- Zum Sozialabbau und den kommunalen Kürzungen
- Zur gesellschaftlichen Rechtsentwicklung
- Über Krieg und Militarisierung
- Aus feministischer Perspektive
- Aus Perspektive der Jugend
Beitrag zum Sozialabbau und den kommunalen Kürzungen
Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Freundinnen und Freunde,
wir stehen heute hier und fordern: „Geld für unser Viertel – statt für ihre Kriege“ – und das ist dringender denn je. Denn es stehen tiefe soziale Einschnitte bevor.
Hier nur einige wenige Beispiele: Kürzungen und stärkere Sanktionen beim Bürgergeld, die 48-Stunden-Woche, Rente ab 70, steigende Kitagebühren, Schließung kleinerer Krankenhäuser, Wegfall von Förderprogrammen, die Hilfe für Opfer wird zusammengestrichen, genauso wie verschiedene Bildungsprogramme.
Blackrock-Kanzler Merz meinte dazu nur „Die Zeiten des Paradieses sind vorbei“ und macht damit klar: Wir (also der Großteil der Bevölkerung, die Klasse der Lohnabhängigen) müssen den Gürtel enger schnallen, damit sie wieder am großen Tisch der Weltpolitik sitzen können.
Auch in Stuttgart stehen uns Kürzungen bevor – immerhin hat die Stadtverwaltung ein Haushaltsloch von ca. 400 Millionen Euro gefunden, das es jetzt zu stopfen gilt. Statt an Image-Projekten wie der Schleyer-Halle zu sparen oder daran, privaten Immobilienkonzernen horrende Mieten zu zahlen, wird an dem gespart, was uns alle betrifft: an sozialen Leistungen und an öffentlicher Infrastruktur.
So soll im Kulturbereich nächstes Jahr ca. 11 Mio € und 2027 ca. 9 Mio € eingespart werden, die Stuttgart-Zulage für Beschäftigte soll um 50% gekürzt werden, es gibt eine Besetzungssperre für offene Stellen, bei den Schulfrühstücken wird der Rotstift angesetzt, die Parkgebühren werden teurer, Schulen werden sicherlich nicht öfter renoviert werden, und natürlich erhöhen sich die Kitagebühren nicht unerheblich.
All das und noch viel mehr – liebe Nachbarinnen und Nachbarn – wird am 19.12. vom Stadtrat beschlossen werden, um das Haushaltsloch zumindest vorübergehend zu stopfen – denn mehr als vorübergehend wird es nicht sein. Beinahe täglich müssen die vorausgesagten Gewerbesteuereinnahmen reduziert werden, womit das Loch größer und größer wird.
Diese ganzen Kürzungen gehen einher mit steigenden Lebenshaltungskosten und wegfallenden Arbeitsplätzen.
Und wer hat darunter zu leiden? Der Kanzler im Privatjet sicherlich nicht, nein, es sind wir und alle Lohnabhängigen, die die Kürzungen direkt abbekommen werden und diese ausbügeln müssen.
Dabei wird uns erzählt, dass wir uns den Sozialstaat, die sozialen Leistungen, nicht mehr leisten können. Uns wird erzählt, wir wären schuld an der Krise, weil wir zu viel wollen: zu viel Kita, zu viel Pflege, zu viel Wohnung, zu viel Würde.
Die Wahrheit ist: Nicht der Sozialstaat ist das Problem – es sind ihre Kriege, ihre Steuergeschenke, ihre Subventionen für Konzerne, die Milliarden verschlingen. Und wenn wir uns – liebe Nachbarinnen und Nachbarn – eines nicht mehr leisten können, dann sind es die Reichen und ihre Kriege!
Deswegen sind wir heute hier. Denn wir sehen das nicht mehr ein – wir sehen es nicht ein, dass der Kanzler das Ende des Paradieses ausruft, während er in seinem Privatjet nach Sylt fliegt. Wir sehen es nicht ein, dass hunderte Milliarden in Aufrüstung und Kriege investiert werden, während bei uns die Schulen kaputtgehen und Gebühren immer weiter steigen.
Daher fordern wir: Geld für unser Viertel – statt für ihre Kriege! Oder anders gesagt: Wir wollen eine Gesellschaft, die sich nicht an den Profiten orientiert, sondern an dem, was wir brauchen und benötigen. Eine Gesellschaft, in der nicht am Wohnen, nicht an der Pflege und nicht an der Bildung gespart wird – sondern an dem was keiner braucht, wie z.B. Kriege. Eine Gesellschaft, in der rechte Politik keine Basis hat, weil es keine Angst vor sozialem Abstieg gibt. Kurz gesagt: Wir wollen eine solidarische Gesellschaft.
Daher sind wir heute hier und sagen: Schluss mit den kommunalen Kürzungen! Schluss mit den Angriffen auf uns und unsere soziale Infrastruktur. Und Schluss mit dem Sozialabbau!
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Nachbarinnen und Nachbarn, – das werden wir nur dann erreichen, wenn wir uns gemeinsam wehren, wenn wir uns für unsere Bedürfnisse und Interessen zusammen einsetzen.
Lasst uns heute einen Anfang machen – aber lasst uns nicht damit aufhören. Kommt zu den Diskussionsrunden im Stadtteilzentrum Gasparitsch, bringt euch in die Initiativen ein und machen wir gemeinsam deutlich, dass wir uns die Kürzungen nicht weiter gefallen lassen. Nicht heute, nicht morgen und schon gar nicht die kommenden Jahre!
Vielen Dank.
Beitrag zur gesellschaftlichen Rechtsentwicklung
Hallo liebe Nachbarinnen und Nachbarn,
liebe Anwesende,
liebe Passantinnen und Passanten,
Wir stehen heute hier, um zu sagen, Schluss mit der Kriegshysterie und Schluss mit der Militarisierung unserer Gesellschaft. Wir stehen hier, weil wir eine gesicherte Finanzierung der öffentlichen Daseinsfürsorge fordern.
Wir wollen ein Gesundheitssystem, das die Pflegekräfte nicht kaputt schindet, und wir wollen finanzierte Orte für unsere Kinder und unsere Jugend – für Bildung, Kultur und Sport.
Doch mit der Zeitenwende und der damit verbundenen Kriegshysterie sehen wir nicht nur ein massives Aufstocken der Bundeswehrfinanzierung und ein Spardiktat des öffentlichen Lebens. Wir sehen ebenso, wie die Weichen gestellt werden für verordneten Burgfrieden, der weder Kritik noch Widerstand zulässt.
Es ist kein Zufall, dass die Rhetorik der Regierung unvermindert weitergeht.
Denn während immer mehr arbeitende Menschen nicht wissen, wie sie ihre Miete oder ihr Essen bezahlen sollen, werden wir immer stärker mit Zwang, Repression, Armut oder Obdachlosigkeit konfrontiert. Wir sehen eine Rechtsentwicklung, in der unsere Grundrechte systematisch untergraben und ausgehebelt werden.
Es werden immer wahnsinnigere Schuldenpakete für die Aufrüstung freigegeben, während für die Jugend immer weiter die Gelder gekürzt werden. Gleichzeitig sollen unsere Söhne, unsere Brüder oder unsere Enkel dem deutschen Militarismus durch die wieder aufgetaute Wehrpflicht zum Fraß vorgeworfen werden.
Während Konzernvorstände Milliarden an Dividenden einstreichen und gleichzeitig Arbeitsplätze vernichten, werden geflüchtete Menschen noch stärker drangsaliert. Diejenigen, die bereits jetzt schon unter dem Lebensminimum kaum noch existieren können, sollen jetzt mit Bezahlkarten, Arbeitszwang und Internierungslagern in die „freiwillige Abschiebung“ getrieben werden.
Arbeitslose Menschen sollen offen in die Obdachlosigkeit und den Hungertod getrieben werden, wenn sie mal einen Jobcenter Termin verpassen.
Und das alles nur, um davon abzulenken, dass die Schuld der Krise bei den Herrschenden liegt, und nicht bei uns.
Und während Vermieter, Chefs und Politiker sich aus unserer Arbeit ein gutes Leben finanzieren, sollen wir noch mehr arbeiten. Die Debatten um die Lockerung der maximalen Arbeitszeit, das Erschweren der Teilzeit oder gar eine Pflicht auf Überstunden, sollen die Produktion von Rüstung im Krieg und die Versorgung von verletzten Soldaten garantieren.
Und auch die öffentliche Meinung und jegliche Kritik wird bereits jetzt schon untergraben.
Das Demokratieverständnis der Bundeswehr in Zeiten von Aufrüstung und Kriegsvorbereitung zeigt sich sehr gut in Freiburg. Hier bekam ein Schüler eine Hausdurchsuchung und wird vor Gericht gezerrt, weil er ein kritisches Meme gegen die Bundeswehr-Propaganda an seiner Schule teilte.
Und damit auch zukünftig Protest und Widerstand zielführend unterdrückt werden kann, führte auch Baden-Württemberg jetzt die Palantir-Software ein. Das Ziel: Menschen massenweise durchleuchten zu können, und dabei ist es völlig egal, dass die Software von jemandem gekauft wird, der offen die Demokratie ablehnt.
All das zeigt uns eines sehr deutlich:
Die gesellschaftliche Rechtsentwicklung findet nicht durch die sogenannte Alternative für Deutschland statt. Es ist kein Ein-Parteien-Problem – sondern sie zieht sich quer durch das Spektrum von Parteien und Politik. Wenn die SPD und Grünen von Abschiebeoffensiven fantasieren und Massenüberwachung einführen, wenn die CDU Abschiebungen für die beste Migrationspolitik hält und den sozialen Kahlschlag durchsetzt … und das ganze noch von den Medien vorbereitet und gepusht wird, dann ist rechte Politik keine Ausnahme, sondern sie ist zur Normalität geworden.
Umso wichtiger, dass wir heute hier stehen! Und wir stehen heute auch hier, weil es noch nicht zu spät ist.
Wir nutzen unsere noch verbliebenden Rechte auf Versammlung, um zu zeigen, dass wir nicht die einzigen sind. Es betrifft bereits viele in dieser Gesellschaft, die jetzt schon unter der Rechtsentwicklung leiden und es werden noch viel mehr, wenn wir nicht anfangen, uns geschlossen dagegen zu stellen.
Dabei reicht es nicht, mit den Schultern zu zucken oder zu hoffen, dass es einen selbst nicht betreffen wird.
Wir können nur gemeinsam diesen Wahnsinn stoppen – mit unseren Nachbarn, Kollegen und Freuden
Wir müssen anfangen, gemeinsam auf die Straße zu gehen und sagen: Schluss!
Schluss mit der Militarisierung und Aufrüstung!
Schluss mit dem Spardiktat!
Für eine Friedens- und Sozialpolitik, die unsere Interessen vertritt und nicht die der Konzerne und Herrschenden.
Beitrag über Krieg und Militarisierung
- Verabschiedung des größten Aufrüstungspakets seit Bestehen der BRD,
- Mittelstreckenraketen der USA werden in Deutschland stationiert,
- das Rüstungsbudget wird mehr als verdreifacht,
- die Wehrpflicht wird wieder eingeführt und
- Krankenhäuser werden für die Pflege von verletzten Soldat*innen vorbereitet …
Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Freundinnen und Freunde – das waren nur wenige Beispiele zum zum Thema Aufrüstung und Krieg – und zwar alleine aus diesem Jahr. Diese Beispiele machen v.a. eines deutlich: Deutschland soll kriegstüchtig gemacht werden – und das mit allen Mitteln und auf allen Ebenen.
Dabei ist klar: Kriegstüchtig will man nur dann werden, wenn man auch Krieg führen möchte. Zwar beteuert unser Kriegs- – äh, sorry – Verteidigungsminister – Pistorius beständig, dass es um Abschreckung geht, um den Krieg zu verhindern. Aber seien wir mal ehrlich: Eine Billion Euro gibt man nicht nur für Abschreckung aus, und man will auch nicht drittgrößte Militärmacht werden, um abzuschrecken. Es geht um Krieg. Krieg, der uns oft als Verteidigung verkauft werden soll – Verteidigung der westlichen Werte, Verteidigung der Demokratie usw.
Für uns ist das alles Augenwischerei. Das, was hier verteidigt werden soll, ist die Stellung des Westens und insbesondere der BRD sowie die Profite der Konzerne. Anders gesagt: Der Bedeutungsverlust der BRD, der EU und des Globalen Nordens soll verhindert werden, und dabei soll der Aufstieg des Globalen Südens rund um China zumindest abgeschwächt werden. Es soll verhindert werden, dass sich die Krise und die ökonomischen Probleme weiter verschärfen.
Deshalb wird aufgerüstet und deshalb wird die Rüstungsindustrie angekurbelt. Denn wenn der Industriestandort Deutschland schon keine Autos mehr verkaufen kann, dann zumindest Panzer mit denen im Krieg Elend und Leid gebracht wird und an denen die deutsche Rüstungsindustrie und damit auch der deutsche Staat mitverdienen kann. Und mit denen die BRD endlich wieder einen Platz am Tisch der großen Player auf der globalen Politikbühne bekommt.
Doch – liebe Nachbarinnen und Nachbarn – wer profitiert davon? Wir ganz sicher nicht.
Denn das alles passiert auf unsere Kosten – und zwar im doppelten Sinn: Einerseits, weil die Auswirkungen zu unseren Lasten gehen:
Durch Militärausgaben, die immerhin 40% des Bundeshaushalts in Anspruch nehmen werden, wird kaum mehr Geld für etwas anderes da sein. Sozialer Kahlschlag, den Gürtel enger schnallen und noch vieles mehr sind die Folgen – was wir vorhin schon gehört haben.
Aber wir müssen uns auch die Frage stellen: Wer führt denn nachher tatsächlich die Kriege? Wer ist an der Front? Das sind nicht die Politiker, nicht deren Kinder und nicht die Angehörigen von denen, die am lautesten nach Wehrpflicht und Krieg schreien
– es sind wir, es sind diejenigen, die nicht viel auf der hohen Kante haben, die keine einflussreichen Bekannten haben und die nicht den Wehrdienst durch Vetterleswirtschaft und Korruption vom Tisch bekommen.
Daher ist es nicht nur eine humanistische und moralische Frage, gegen Krieg zu sein – sondern es ist eine ganz konkrete. Krieg bedroht unser Leben und das Leben von Menschen aus unserer Klasse, egal wo Krieg geführt wird.
Denn überall werden wir es sein, die Angehörigen unserer Klasse – die Lohnabhängigen –, die in den Krieg ziehen müssen
– und überall werden wir es sein, die töten und sterben für die Interessen der Politiker und Konzerne.
Denn wir – liebe Nachbarinnen und Nachbarn – haben keinerlei Interesse an einem Krieg – es ist nicht unser Krieg, es ist ihr Krieg, der Krieg der Politiker und Konzerne – der Krieg der Herrschenden!
Wir haben ganz andere Interessen – wir haben ein Interesse an guten Löhnen, guten bezahlbaren Wohnungen und einem friedlichen, solidarischen Zusammenleben für den Großteil der Bevölkerung, egal wo.
Daher muss es heißen: Nein zur Militarisierung der Gesellschaft, nein zur Kriegstüchtigkeit und nein zum Krieg der Herrschenden!
Deswegen sind wir heute hier und fordern: Geld für unser Viertel – statt für ihre Kriege!
Und das heißt, dass wir für eine Gesellschaft einstehen, in der es keine Kriege mehr geben kann, da statt Konkurrenz Solidarität herrscht! Das heißt auch, dass wir für eine Gesellschaft kämpfen ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Kriege!
Dafür stehen wir ein, dafür kämpfen wir! Und wir laden euch – liebe Nachbarinnen und Nachbarn – dazu ein, gemeinsam dafür zu streiten – denn nur wenn wir uns zusammentun, nur gemeinsam werden wir das erreichen. Nur gemeinsam werden wir es schaffen, dass Krankenhäuser wieder zur Versorgung der Bevölkerung dienen und nicht zur Versorgung von Soldat*innen. Nur gemeinsam können wir der Wehrpflicht etwas entgegensetzen, in dem möglichst viele den Kriegsdienst verweigern.
Und nur gemeinsam werden wir statt kriegstüchtig solidaritätstüchtig werden können.
Lasst uns also heute einen Anfang machen – aber lasst uns nicht damit aufhören. Kommt zu den Diskussionsrunden im Stadtteilzentrum Gasparitsch, bringt euch in die Initiativen ein und machen wir gemeinsam deutlich, dass wir uns die Kürzungen nicht weiter gefallen lassen. Nicht heute, nicht morgen und schon gar nicht die kommenden Jahre!
Vielen Dank.
Beitrag aus feministischer Perspektive
Am Dienstag war der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Wir waren gemeinsam auf der Straße, um dagegen zu demonstrieren, dass täglich Gewalt gegen Frauen ausgeübt wird. Wir waren auf der Straße, um laut und deutlich zu sagen: Das kann nicht sein! Wir wollen eine Welt, in der Gewalt gegen Frauen der Vergangenheit angehört, und wir wollen eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung! Wenn man sich die Zahlen und Fakten anhört, wird einem als Frau Angst und Bange, und man wird wütend und will sich gegen diese Unterdrückung wehren:
- Alle 3 Minuten erfährt in Deutschland eine Frau Gewalt durch ihren ehemaligen oder aktuellen Partner.
- 2023 wurden 265.942 Menschen Opfer häuslicher Gewalt – ein neuer Höchststand. Dabei sind die Opfer mit 70,4 % überwiegend weiblich.
- Bundesweit werden laut Istanbul-Konvention 27.700 Frauenhaus-Plätze benötigt, in denen Frauen vor Gewalt fliehen können. Aktuell gibt es 7.900 Frauenhaus-Plätze.
Wir sind heute hier, weil bundesweit und auch in Stuttgart massive Streichungen und Einschränkungen im sozialen Bereich und bei Hilfsangeboten kommen werden.
Einige Einsparungen des neuen Doppelhaushalt der Stadt Stuttgart können gerade für Frauen und Familien deutliche Probleme verursachen. Hier drei Beispiele:
- die Kitagebühren sollen, je nach Betreuungsform, um etwa 15-30% erhöht werden. Das würde bei einem Ganztages-Kita-Platz im Extremfall eine Erhöhung von 250€ auf über 800€ bis 2031 bedeuten
- die Kosten für die Nachmittagsbetreuung und Ganztagesschulen sollen steigen, und die Förderung des Mittagessens und Frühstücks für Kinder, sowie generell für einkommensschwache Familien, soll der Rotstift angesetzt werden und kräftig gespart werden.
- und vor allem bei freiwilligen sozialen Leistungen soll gespart werden: das Budget der Bonuskarte wird um die Hälfte reduziert. Dabei ist sie doch genau dafür da, dass am kulturellen, sportlichen und sozialen Leben trotz finanzieller Einschränkungen teilgenommen werden kann. Also zum Beispiel bei freiem Einlass zu Kulturveranstaltungen, ermäßigten Monatstickets für den öffentlichen Nahverkehr oder der Gebührenbefreiung für Kitas.
Und sind wir doch mal ehrlich – es ist klar, wer das auffangen muss, wenn Familien sich die Betreuung und die kulturellen Veranstaltungen nicht mehr leisten können! In unserer vom Patriarchat geprägten Gesellschaft, werden wieder hauptsächlich Frauen die Leidtragenden sein. Sie werden auffangen, wenn die Betreuung der Kinder zu teuer ist, werden ihren Teilzeit- oder Minijob kündigen, und mehr zu Hause sein und wieder die Rolle der Hausfrau einnehmen müssen. Das bedeutet gleichzeitig eine ökonomische Abhängigkeit vom Mann, der dann als Allein- oder Hauptverdiener das Geld nach Hause bringt. Und das wiederum erhöht die Tendenz, dass Frauen in gewaltvollen Beziehungen und Familienkonstellationen verharren – weil sie kaum eine andere Möglichkeit haben. Schon jetzt müssen Frauen in Frauenhäusern abgewiesen werden oder ihren Platz selber bezahlen, und der Rotstift wird bei vielen Hilfsangeboten angesetzt. Umso mehr Geld fürs Militär und seine Infrastruktur rausgeschleudert wird, umso weniger bleibt für uns.
Deshalb sind wir heute hier und sagen nein zu Kürzungen, die auf unserem Rücken ausgetragen werden und die eine Bundesregierung oder Gemeinderat ohne unsere Zustimmung durchdrücken will. Wir sagen Nein zu 500 Mrd. Euro für ihre Kriege, statt zu schauen, was die Menschen tatsächlich brauchen, um sich sicher zu fühlen. Wir sagen Nein zu Kürzungen, die das Leben – unter anderem von Frauen – noch weiter einschränken werden.
Wir wollen eine Welt, in der alle Geschlechter frei von Unterdrückung und Gewalt miteinander leben. Wir wollen eine Welt, in der Haus- und Sorgearbeit auf alle Geschlechter verteilt ist. Wir wollen eine Welt, in der das Patriarchat und der Kapitalismus der Vergangenheit angehören. Dafür sind wir heute hier.
Beitrag aus Perspektive der Jugend
Wir als Jugend spüren die Entwicklungen dieser Zeit direkt.
Wir erleben, wie soziale Angebote verschwinden, wie öffentliche Räume verfallen und wie Orte, die uns im Alltag Halt geben, an Ressourcen verlieren.
Gleichzeitig sehen wir, wo Geld problemlos fließt – und was das über die Prioritäten in diesem Land aussagt.
Wir sind nicht hier, um das still hinzunehmen.
Wir sind hier, weil wir wissen, dass das Leben, das wir führen, mehr verdient als ständige Kürzungen.
Wir sind hier, weil wir spüren, dass es möglich ist, Dinge anders zu gestalten.
Wenn überall gespart wird, außer dort, wo es um Zerstörung, Aufrüstung und Machtspiele geht, dann müssen Stimmen laut werden.
Stimmen, die deutlich machen: So läuft das nicht weiter.
Wir stehen zusammen, weil wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen.
Wir stehen zusammen, weil wir Räume brauchen, in denen Kultur, Bildung, Gesundheit und Solidarität zählen.
Räume, in denen Menschen wachsen können – und nicht nur Statistiken, Budgets oder militärische Planungen.
Wir stehen hier, weil wir Veränderung nicht erwarten, sondern einfordern.
Weil wir wissen, dass jede Entscheidung, die über uns hinweg getroffen wird, unser Leben direkt berührt.
Und weil wir entschlossen genug sind, unsere eigenen Erfahrungen und Perspektiven sichtbar zu machen.
Unsere Stimme gehört uns.
Unser Platz gehört uns.
Unsere Zukunft gehört uns.
